In diesem Jahr begleitet uns während der Sonntagsgottesdienste in der Fastenzeit das MISERIOR- Hungertuch 2021.
 
Nach einer alten kirchlichen Tradition wurden und werden z.T. noch heute in den Fastenwochen prächtig gestaltete Hochaltäre und Triumphkreuze in Kirchen mit Stoffbahnen verhüllt – um den Gottesdienstbesuchern ein „Fasten der Augen“ zu ermöglichen.
 
MISERIOR bringt seit 45 Jahren alle zwei Jahre ein neues Hungertuch heraus, das von einem Künstler/einer Künstlerin gestaltet ist und uns zur Solidarität mit Menschen in Problemlagen einlädt.
Das diesjährige Hungertuch verdanken wir der chilenischen Künstlerin Lilian Moreno Sánchez,
die uns auf das Thema des Leidens und seiner Überwindung durch die Kraft des Wandels hinweisen möchte.
 
Der Titel des Hungertuches ist aus dem Psalm 31 entnommen. Dabei handelt es sich um ein Klage -und Danklied, indem die/der Beter/in spürt, wie der Boden unter ihren/seinen Füßen weggezogen wird und alles vertraute, ja die ganze Welt um sie ins Wanken gerät.
Im Vers 9 jedoch atmet sie/er förmlich auf und bekennt trotz allem vor Gott:
 
„Du stellst meine Füße auf weiten Raum“ (Ps 31, 9)
 
Wir wollen Sie durch Impulse in den kommenden Fastensonntagen mit hineinnehmen in dieses Bild.
 
Lassen Sie dieses Kunstwerk Fragen an sie stellen, die offenbleiben dürfen und lassen sie sich von ihm begleiten in Fragen über das eigene Leben.
 
Auf den ersten Blick nehmen wir das Bild sehr reduziert wahr.
Eine dreigeteilte weiße Fläche im Hintergrund die zur Weite und zu Visionen ermutigt, weißt scheinbar schmutzige Stellen auf.
Dies könnte ein Hinweis sein, dass unser Leben Einschränkungen mit sich bringt, dass es nicht perfekt und verletzlich ist.
 
Im Vordergrund sehen wir das Bild eines Fußes mit gebrochenen Knochen.
So sehr wir mit unseren Füßen fest auf der Erde stehen um Stabilität zu haben, aufzubrechen und uns in Bewegung zu setzen, so sehr steht das Motiv des verwundeten Fußes hier stellvertretend für alle Orte, an denen Menschen gebrochen, bewegungsunfähig gemacht und ihrer Würde beraubt werden.
 
GEBET
Gott des Lebens,
unsere Füße
sind wahre Kunstwerke.
Sie ermöglichen einen guten Stand,
wir kommen mit ihnen Schritt für Schritt in unserem Leben voran
und machen somit Erfahrungen, die uns weiterbringen.
Wir danken dir, Gott,
dass wir so vor dich treten und vor dir stehen können.
 
Die Weite lockt und fordert uns heraus.
Wir können entscheiden und unseren Weg auswählen,
uns nach vorne wagen, trotz allem Ungewissen.
Am Horizont das Ziel ahnen,
dass uns ankommen und Heimat finden lässt.
Wir danken dir Gott, dass wir mit deiner Hilfe unseren Weg gehen können.
 
Mit Jesus Christus,
schenkst du uns einen Wegbegleiter
der alle Wege mit uns geht,
die Wege in Freud und Leid
sogar den Weg durch den Tod.
 
So wie du, Gott, ihn geführt hast
zum ewigen Leben,
so wird er uns führen
auf dem Weg zu dir.
Amen.